Reviews | Concerts
...Dazu liefert die Musik ein Patchwork an gezupften, gestrichenen, geschlagenen und geblasenen Klangreizen, denen sich die langsam und stetig umherwandelnden Zuhörenden nach Belieben aussetzen. [...] Eine ganz neue, faszinierende Erfahrung, die in stürmischen Beifall ausklang. Jutta Höpfel (Kronen Zeitung)
...Wer Glück hat, erlebt im Innenhof des gotischen Kreuzgangs absolute Stille, bevor sich verfremdete Bläserklänge melden und die akustischen Kreuzgangerlebnisse zusammenfließen. Denn es ist ein Ganzes, das sich da kundtut, nicht zersplittert, sondern der gewohnten Wahrnehmung entzogen, aber mit festen Koordinaten von Gleichzeitigkeit, Rhythmus und wechselnder Klangdominanz. Ein sprachlich zum Thema Liebe und musikalisch komponiertes Netz, dessen Zwischenräume dem wandelnden Publikum gehören, das Zusammenhänge schafft, ohne „alles“ erlebt zu haben... Ursula Strohal (Tiroler Tageszeitung)
...Judith Unterpertinger gelang auf der Grundlage einer Fotoserie eine fein charakterisierte und ziselierte Raumklang-Kammermusik voller vielfältiger Dialoge und Korrespondenzen... Salzburger Nachrichten (Heinz Rögl)
...Judith Unterpertingers Thirsty Camel / außen, von innen gefiel [...] durch die periodische Verflüchtigung und Sammlung der Klänge wie der Ensemble-Tuttis... Der Standard (Andreas Felber)
...während das hier uraufgeführte Meisterwerk minutiös auf den Text eingeht. Eine wirklich rundum gelungene Arbeit, die auch den Mut zu tatsächlich Neuem bewies... Oberösterreichische Nachrichten (Michael Wruss)
...Nichts weniger als hedonistisch-ausschweifend, vielmehr hoch konzentriert entwickelte Unterpertinger in ihrer 40-minütigen Auftragsarbeit amarantus für das [...] Koehne-Quartett und Akkordeonist Alexander Shevchenko wechselnde klangliche Aggregatzustände. Zwischen sirrenden Flageoletts, eigenwillig verdrillten Patterns und Passagen ungestümer, von Glissandi und Cluster geprägter Dichte konnte man die junge Komponistin auf ihrer Entdeckungsreise durch das sonische Potenzial der Streichquartettbesetzung begleiten... Der Standard (Andreas Felber)
...Unterpertingers scheuklappenloser suchender Geist wurde indessen auch im Improvisationsset offenbar. Alternierend an präpariertem Klavier und Cello werkend, erarbeitete sie mit Dominika Zach (Stimme), Stephan Sperlich (Cello) und Thomas Grill (Elektronik) Geräuschstrukturen von geradezu britischer Kollektivdisziplin, gewitzte Trashcollagen und Hardcore-Sekundenstücke á la John Zorn. Und trotz der Vielfalt der assoziativen Referenzen spürte man auch hier: Da wird präzise ein breiter Horizont erarbeitet, Terrain erschlossen, auf dem in Zukunft möglicherweise tatsächlich unerhörte Klanggewächse emporschießen könnten. Der Standard (Andreas Felber)
... als Uraufführung ist die Kleine Anarchistensuite der Tiroler Komponistin Judith Unterpertinger zu hören: eine durchaus spannende, zwischen vibrierendem Flageolett und krachender Blockakkordik angelegte Konversation... Oberösterreichische Nachrichten (Christoph Haunschmid)
...Der Böse Zustand. Ein Kollektiv aus jungen MusikerInnen mit hohem technischen Niveau und teilweise originären kompositorischen Ideen rund um die aus Tirol stammende Pianistin Judith Unterpertinger. Zum regulären Ensemble, gesellte sich ab und an der heißspornige Saxophonist Wolfgang Schiftner. Die vertrackten Arrangements mit diffizilen Rhythmuswechsel wie harmonischen Schichtungen, vollführten radikale Schnitte zwischen losen, feinmaschigen Klangfarbenimprovisationen und muskulösen Noise-Metall Sequenzen... Freistil (Hannes Schweiger)
Reviews | CDs
freiStil-samplerin #1 »Damn!« nocords records
...undogmatische Gegenwartsmusik verteilt auf zwei CDs.[...] Ob energetischer Groove, mikrotonales Experiment oder spröde Improvisation - stilistische Haken schlagend zeigt sich dieser Release zu jedem Zeitpunkt spannend, wie selbstverständlich fordernd, gerne sperrig und dabei immer frisch.[...] Allen anderen bleibt die wohl hörenswerteste Samplerin des Jahres. quietnoise (Tobias Bolt)
...A great release this one, exciting and great music, a true adventure to explore new names. vital weekly (FdW)
...Die Doppel-CD wirft einen präzisen Blick auf die weibliche Musikavantgarde des Landes. [...] oder die kräftige Band-Klescherei von Judith Unterpertingers Klavier mit Der Böse Zustand: Schon die drei Eröffnungsstücke sind eine Offenbarung des Zeitgenössischen... Kronen Zeitung (Matthias Wagner)
...In the conceptual pieces there are definitely some shock tacticts employed, like the heavy pounding that Judith Unterpertinger & der Böse Zustand provide in their “P-Stück”, which makes average “extremity” fare like Apocalyptica look weak and soft (which they actually are, but try telling that a metal head…) and which would fit very good to Slobodan Kajkut’s “compromise is not possible"... cracked (Georg Gartlgruber)
Der böse Zustand »Schlund« Ostblock Rekords
Er ist eingetroffen! All das Zittern, nach links und rechts Schauen, Hände in den Schritt Klemmen hatte einen Sinn. Der Zustand ist böser als je zuvor und wir glücklichen Sünder dürfen nun endlich von seinen süßen Früchten des Zorns naschen.
Doch zuerst werden wir von aufgeladenen Gitarrenriffs attackiert, gepackt und assimiliert. Widerstand ist zwecklos und wir wollen Teil haben. Es reißt uns aus den Stühlen, zieht uns hinunter wie in einen alles verschlingenden Muttermund, bewegt uns voran mit Saitenhieben und gezielten Schlägen von tausenden Ruten auf das Trommelfell, bis wir endlich tief im Keller unserer Selbst angelangt sind. Auf dem Weg dorthin bereiten uns melancholisch anmutende Klänge und trauervoll schöne Melodien für den Übergang in ein Portal der Ruhe vor, in dem, wie in einer akustischen Ursuppe, sich klingend die intonierten Atome verbinden und Struktur annehmen.
Dem fantastisch chaotischen Spiel bleibt leider nicht viel Zeit und noch bevor wir gänzlich in die Transzendenz abgleiten, peitscht Der böse Zustand unsere faulen Ärsche im flotten Klezmer-Rhythmus zurück an die Oberfläche der Realität. Wie neu geboren und noch Fruchtwasser schwitzend landen wir im Tal einer blühenden Almwiese, umgeben von Kuhglockengeläute und fernen traditionellen Bauerngesängen. So schön es dort auch klingt, so sehr müssen wir auch wieder raus aus diesem grünen Schlund. Die innere Stimme wird immer lauter und manischer. Rastlos wird im hektischen Takt nach einem Ausweg gesucht. Es treibt uns immer höher hinauf, zu neuen Zielen.
Am Höhepunkt angelangt werden wir von der musikalischen Dichte überrascht und stürzen, noch mit dem fruchtigen Geschmack im Mund, zurück in unseren Sitzplatz. Was für eine Reise! Der böse Zustand bleibt jedoch auch noch nach Ende dieses fantastischen Kopfkinos allgegenwärtig. Und das ist gut. skug (Klaus-Dieter Fischer)
Neue Breite mit neuen Querverbindungen, das verdanken wir der jungen Pianistin Judith Unterpertinger. Im Handumdrehen, und eh man sich’s versieht, bringt sie Morton Feldman, Modern Jazz und Metallica unter einen Hut. Bruckner & Breuer [...] assistieren hörbar gern, zusätzlich ziehen Roithner & Wällstedt glühende Saiten auf, handverlesene Gäste tragen der gewünschten Ausweitung der Kampfzone Rechnung... FreiStil (felix)
fruitmarket gallery » au`i o`i« Ostblock Rekords
... Auf seinem Erstling bietet das junge Ensemble erfrischende „Klangviktualien“ feil. Erneut mischen auch wieder zwei Musikerinnen mit, das Männerbund-Verhalten kommt endlich gehörig ins Wanken. Unter dem Gesichtpunkt „Immer schön abstrakt bleiben“ formulieren die „Galeristinnen“ in konzisen Piecen eine Huldigung an das Bergsteigen (so der Untertitel des Programms). Mit dem Ansatz, sich gegen eingeschliffene Konventionen, Dogmen und Grenzziehungen zu sperren, erklimmt das Quartett ein stringentes elektro-akustisches Klangmassiv. Dessen Beschaffenheit ist von indeterminierter Charakteristik, austariert von einer spannungsvollen Balance zwischen improvisatorischer Beweglichkeit und strukturierendem Kalkül, eingebettet in einen gelebten Kollektivgeist. Zudem werden ohne Scheu mit respektvollem Charme und originärer Haltung Sequenzen von tradierten Formen, z. B. alpenländisch folkloristisches (mit deutlich steirischem Bezug), klassisch intoniertes oder rhythmisches Maß in die kompromisslose Ästhetik Neuer improvisierter Musik eingewoben. Guat is des. freiStil (HAN)